Energiepolitik ist Geopolitik

Mit dieser These laufe ich schon länger herum, habe sie aber noch nie so aufgeschrieben.
Wir sehen es doch immer und immer wieder: wenige Faktoren in unserer Welt sind so wichtig wie die Rohstoffe, die wir zur Energiegewinnung nutzen. Die Dominanz der Erdöl-exportierenden Länder; die Art und Weise, wie Russland seine Erdgasreserven einsetzt; wo und wie Uran gefördert und gekauft wird. Wir als Europäer sind so sehr abhängig auf diesem Gebiet, dass alleine schon diese Strukturen die Handlungsfähigkeit der Politik stark einschränken, wenn es um den Einsatz für Menschenrechte und Demokratie geht. Das nächste Konfliktfeld ist übrigens schon längst heiss geworden: China und seine Dominanz am Markt für seltene Erden; auch in der Solarenergie spielen diese eine grosse Rolle.Alleine schon, um Handlungsspielräume zu gewinnen und diese Abhängigkeiten zu reduzieren sollte es doch im Interesse der Politik sein, jene alternativen Energieträger zu stärken, die uns ermöglichen, keine faulen Kompromisse mehr einzugehen, weil wir doch dort einkaufen müssen. Je mehr Energie wir vor Ort produzieren können, desto stärker wird auch die Möglichkeit, die Welt doch wieder aktiver zu gestalten.Das es nicht im direkten Interesse unserer Anbieter ist, dass wir uns aus diesen Abhängigkeiten lösen, liegt aber auch auf der Hand. Nur: davon sollten wir uns nicht zu sehr beeindrucken lassen, oder?Und weil wir gerade dabei sind: Ich meine, mich zu erinnern, dass es eine Dokumentation gibt, wie denn die Landschaften, in denen in Russland Uran abgebaut werden, zu Grunde gehen. Und wie gering die Lebenserwartung der Menschen in der Gegend ist. Ich finde aber nichts dazu online. Hat jemand Hinweise dazu für mich?

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Ägypten

Meine kleine, höchstpersönliche Welt hat durch die Entwicklungen in Ägypten sehr, sehr profitiert. Natürlich hat das im Vergleich zu dem, was die Ägypter selbst durch- und erlebt haben gar kein Gewicht; natürlich sagt das viel mehr über meine eigene Beschränktheit als über die Welt aus. Und trotzdem: Ich habe in den letzten drei Wochen wirklich viel gelernt und konnte mein eigenes Weltbild deutlich schärfen. Ich finde aber auch, dass wir Zeugen von Trends sind, die mehr als nur punktuelle Ereignisse sind.
Zunächst: die Bewegung in Ägypten ist eine Demokratiebewegung. Eine Bewegung zu mehr Teilhabe, zu mehr Verantwortung am Staat. Sie ist keine religiöse Bewegung, sie ist keine islamistische Bewegung. Es geht hier der Bevölkerung eines Staates darum, dass sie genug vom bisherigen Zustand haben. Ja, sie ist in gewisser Weise sogar das Gegenteil einer islamistischen Bewegung: Christen und Moslems zeigen ihre Verbundenheit, stehen für einander ein. Das entsprechende Bild auf Twitter hat mich schon sehr beeindruckt (siehe ). Es ist also nicht durch Radikale getragen, die ihrer Gesellschaft Ihre Interpretation einer Religion um jeden Preis aufzwingen wollen. Es ist eine Mittelschicht, die sich erhebt, die ihr Leben verbessern will. Also etwas, das auch uns hier in Europa nicht so ganz fremd sein muss. Hier konnten viele Vorurteile sterben.
Dann: Es ist ein neues Zeitalter in der Nachrichtenübermittlung angebrochen. Nicht mehr das Fernsehen hat das Informationsprimat für Entwicklungen, wie sie gerade passieren. Es sind die Stimmen vor Ort, die wir per Internet – aktuell primär Twitter und Facebook, es könnten aber genauso gut andere spezifische Dienste sein – hören. Die ersten Reporter machen sich, gerade auch um auf ihrem Blog oder anderen persönlichen Meiden zu berichten, auf den Weg. Und es ist nicht zuletzt ein arabischer Sender, der die Kulturtechnik Internet so für sich übernommen hat und sich der Werkzeuge mit einer solchen Sicherheit bedient, wie sich bei Unternehmen unserer Kultursphäre gar nicht vorstellen kann. Al Jazeera hat einen englischsprachigen, weltweit verfügbaren Live Stream geschaltet, mit Sehern auf allen Kontinenten. Sie haben ihre Inhalte mit Creative Commons Lizenzen versehen. Die Infrastruktur (Twitter, Facebook, RSS, Livestreams) kommt zu einem guten Teil aus den USA. Auch die Gedanken, wie Nachrichten in der Zukunft aussehen. Aber in all ihrem Kampf um neue Abgaben, um neue Wege, mit ihren überkommen Geschäftsmodellen Geld zu verdienen sind die Fernsehstationen hier und in den USA nicht beweglich genug und überlassen das Feld den neuen. Ein Zeitenwechsel bricht an.
Die arabische Welt war in der Geschichte schon einmal intellektuell führend. Sie haben Universitäten erdacht, wertvolle Arbeiten geschrieben. Die Kultur geprägt. Davon haben wir im letzten Monat wieder ein Aufblitzen gesehen. Ich glaube, dass der arabische Raum nun wieder die Chance hat, die globale Kultur weit stärker – und positiver – zu beeinflussen, als es in den letzten Jahrzehnten passiert ist. Europa, wenn es sich nicht schnell anstrengt, wird für die globale Entwicklung unwichtig.

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Das Schicksal der Journaille

Im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht und den "News-Aggregatoren" (und wohl oder übel geht es hier ja vor allem um Google News, auch wenn man das so wohl nicht gesagt werden darf) gibt es so ein, zwei Dinge, die ich bislang in der Diskussion nicht verstehe. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass jeder Verlag die Spider der Aggregatoren von seiner Website ausschließen kann -- genau dafür gibt es robots.txt, den Robots Exclusion Standard. Aber das will man ja nicht, denn dann ist man erst wieder darauf angewiesen, die Benutzer über andere Kanäle auf die eigene Website zu bringen, und genau darum geht es ja laut FDP-Abgeordneten Stephan Thomae.

Aufgrund dessen haben die Aggregatoren ein erhebliches Substitutionspotenzial, denn die Textauszüge können eine Lektüre des vollständigen Textes bisweilen entbehrlich machen. Das Geschäft wird so mit den Onlineangeboten der Verlage aber an den Verlagen vorbei gemacht.

("Fairer Wettbewerb im Netz durch Presse-Leistungsschutz" bei www.telemedicus.de)

Was hindert eigentlich die Zeitungsverlage daran, eine eigene Plattform zu schaffen, die so attraktiv ist, deren Angebot so viel übersichtlicher, relevanter und für den Benutzer im täglichen Einsatz einfach besser, dass sich darüber auch tatsächlich Erlös erzielen lässt, den die Verlage dann untereinander aufteilen können? Beispiele, dass die Benutzer von heute für gute Nachrichtenangebote zu zahlen bereit sind, gibt es tatsächlich eine Reihe -- von iPhone Apps mancher Zeitungen, die zu bezahlen sind (die iPhone-Anwendung von Bild war über viele Wochen in den Top 25 des deutschen App Store), über die Erfolgsgeschichte von Flipboard am iPad. Auch aus den Erfahrungen der Musikverlage lässt sich lernen, welche Fehler man beim Erstellen einer gemeinsamen Plattform vermeiden kann -- auch hier waren es international Apple mit dem iTunes Store und national Musicload, die als Katalysatoren einer funktionierenden Online-Strategie notwendig waren.

Aber: Wenn sich auch nur drei, vier große Verlage an einem solchen Projekt beteiligen und ihre "Big Brands" in der Nachrichtenindustrie zur Verfügung stellen -- nicht mal als Vehikel, um darüber Stimmung für die Plattform zu machen, sondern einfach nur als exklusiven Content-Provider, um die Nachrichten darüber abbilden zu können -- kann daraus in meinen Augen schon etwas sinnvolles werden. Nur so als Gedankensplitter: Thematische Gruppierung verschiedener Quellen, sodass man als Leser innerhalb weniger Augenblicke die verschiedenen Meinungen zu einem Thema oder einer politischen Diskussion schnell erfassen kann, im ganzen Spektrum der deutschsprachigen Presse -- schnell am Puls der Zeit, sodass die Nachrichten auch Online schon zur Verfügung stehen, bevor sie über die Druckerpresse gerollt sind (nicht zuletzt dafür könnte Zahlungsbereitschaft bestehen), und ein Rückgriff auf ein gut ausgestattetes Archiv.

Ich persönlich bin übrigens davon überzeugt, dass auch die Diskussion um die Aggregatoren schon zu sehr in der Vergangenheit verwurzelt ist.  Was man heute sehen kann ist, dass sich die Verteilung von Nachrichten von solchen rein zielgerichteten Kanälen mehr und mehr auch auf sogenannte "soziale Netze" verlagert. Twitter ist dafür sich ein sehr wesentliches Schlagwort; ich glaube aber, dass auch Facebook in den nächsten Monaten ein entscheidender Kanal ist, über den sich dann auch gerade die Anrisse, die ja so gefürchtet sind, verbreiten können (und nicht nur 140 Zeichen).

Und noch ein abschließender Gedanke: Was mir im Übrigen nochmal aufstößt ist, dass es wohl kaum eine andere Zunft gibt, die so sehr darauf angewiesen ist, dass andere Leute Ihre Leistung als Grundlage der beruflichen Existenz zur Verfügung stellen wie Journalisten.  Man stelle sich nur mal vor, Journalisten müssten auch für jede Erwähnung oder jede Zusammenfassung, die einen Rückgriff auf die Originalquelle überflüssig macht, extra Geld an die Quelle abführen.

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Homöopathie

Auch wenn sich mittlerweile wissenschaftlich gezeigt hat, dass die homöopathischen Medikamente keinen über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung auf den Organismus haben -- was letztlich bei ihrer Verdünnung auch keinen überrascht -- so hat in meinen Augen die Homöopathie ihre Berechtigung im Spektrum der medizinischen Behandlungen.Was die Schulmedizin auf jeden Fall von ihr lernen kann ist der Umgang mit dem Patienten. Welcher Schulmediziner nimmt sich bei der Erstanamnese schon mal über eine Stunde, manchmal auch zwei Stunden Zeit um mit dem Menschen zu sprechen, ihn kennenzulernen und zu verstehen, was ihn ausmacht? Beim Homöopathen ist das die Regel. Auch sonst gehen Konsultationen nicht innerhalb von sechs bis sieben Minuten über die Bühne, sondern man hat das Gefühl, ernst genommen zu werden.
Und ein zweiter Faktor ist, dass der Homöopath zuhört. Was der Patient über seine Krankheit zu berichten hat, was er erzählt: es ist für den Homöopathen wichtig. Wie man sich fühlt, was man gerne anders möchte -- daran misst sich der Erfolg der Behandlung. Und das ist in der Schulmedizin auch beileibe nicht so selbstverständlich.

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