Im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht und den "News-Aggregatoren" (und wohl oder übel geht es hier ja vor allem um Google News, auch wenn man das so wohl nicht gesagt werden darf) gibt es so ein, zwei Dinge, die ich bislang in der Diskussion nicht verstehe. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass jeder Verlag die Spider der Aggregatoren von seiner Website ausschließen kann -- genau dafür gibt es robots.txt, den Robots Exclusion Standard. Aber das will man ja nicht, denn dann ist man erst wieder darauf angewiesen, die Benutzer über andere Kanäle auf die eigene Website zu bringen, und genau darum geht es ja laut FDP-Abgeordneten Stephan Thomae.
Aufgrund dessen haben die Aggregatoren ein erhebliches Substitutionspotenzial, denn die Textauszüge können eine Lektüre des vollständigen Textes bisweilen entbehrlich machen. Das Geschäft wird so mit den Onlineangeboten der Verlage aber an den Verlagen vorbei gemacht.
("Fairer Wettbewerb im Netz durch Presse-Leistungsschutz" bei www.telemedicus.de)
Was hindert eigentlich die Zeitungsverlage daran, eine eigene Plattform zu schaffen, die so attraktiv ist, deren Angebot so viel übersichtlicher, relevanter und für den Benutzer im täglichen Einsatz einfach besser, dass sich darüber auch tatsächlich Erlös erzielen lässt, den die Verlage dann untereinander aufteilen können? Beispiele, dass die Benutzer von heute für gute Nachrichtenangebote zu zahlen bereit sind, gibt es tatsächlich eine Reihe -- von iPhone Apps mancher Zeitungen, die zu bezahlen sind (die iPhone-Anwendung von Bild war über viele Wochen in den Top 25 des deutschen App Store), über die Erfolgsgeschichte von Flipboard am iPad. Auch aus den Erfahrungen der Musikverlage lässt sich lernen, welche Fehler man beim Erstellen einer gemeinsamen Plattform vermeiden kann -- auch hier waren es international Apple mit dem iTunes Store und national Musicload, die als Katalysatoren einer funktionierenden Online-Strategie notwendig waren.
Aber: Wenn sich auch nur drei, vier große Verlage an einem solchen Projekt beteiligen und ihre "Big Brands" in der Nachrichtenindustrie zur Verfügung stellen -- nicht mal als Vehikel, um darüber Stimmung für die Plattform zu machen, sondern einfach nur als exklusiven Content-Provider, um die Nachrichten darüber abbilden zu können -- kann daraus in meinen Augen schon etwas sinnvolles werden. Nur so als Gedankensplitter: Thematische Gruppierung verschiedener Quellen, sodass man als Leser innerhalb weniger Augenblicke die verschiedenen Meinungen zu einem Thema oder einer politischen Diskussion schnell erfassen kann, im ganzen Spektrum der deutschsprachigen Presse -- schnell am Puls der Zeit, sodass die Nachrichten auch Online schon zur Verfügung stehen, bevor sie über die Druckerpresse gerollt sind (nicht zuletzt dafür könnte Zahlungsbereitschaft bestehen), und ein Rückgriff auf ein gut ausgestattetes Archiv.
Ich persönlich bin übrigens davon überzeugt, dass auch die Diskussion um die Aggregatoren schon zu sehr in der Vergangenheit verwurzelt ist. Was man heute sehen kann ist, dass sich die Verteilung von Nachrichten von solchen rein zielgerichteten Kanälen mehr und mehr auch auf sogenannte "soziale Netze" verlagert. Twitter ist dafür sich ein sehr wesentliches Schlagwort; ich glaube aber, dass auch Facebook in den nächsten Monaten ein entscheidender Kanal ist, über den sich dann auch gerade die Anrisse, die ja so gefürchtet sind, verbreiten können (und nicht nur 140 Zeichen).
Und noch ein abschließender Gedanke: Was mir im Übrigen nochmal aufstößt ist, dass es wohl kaum eine andere Zunft gibt, die so sehr darauf angewiesen ist, dass andere Leute Ihre Leistung als Grundlage der beruflichen Existenz zur Verfügung stellen wie Journalisten. Man stelle sich nur mal vor, Journalisten müssten auch für jede Erwähnung oder jede Zusammenfassung, die einen Rückgriff auf die Originalquelle überflüssig macht, extra Geld an die Quelle abführen.